Erfahrungsbericht Unterwassershooting

Model: Dia Dence Fotografie: Udo Strickrodt www.kunstunterwasser.de
Model: Dia Dence Fotografie: Udo Strickrodt www.kunstunterwasser.de

Die bisher größte Herausforderung meines Shooting-Lebens liegt unter Wasser.

 

Verloren in der Betrachtung ästhetischer Unterwasserfotografie, die mir Meerjungfrauen und Nymphen zeigt, kann ich mir zunächst nicht vorstellen, wie kräftezehrend ein solches Shooting ist, schließlich sehen die Models im fließenden Element schwebend schön und vollkommen entspannt aus.

 

Es lockt mich das idyllische Reich Neptuns und ich möchte einmal abtauchen und wage also das Experiment Unterwasserfotografie!

 

Das erste Shooting ist tatsächlich ein solches Experiment.

Im Sommer 2014 springen die Fotografin Anna Wawra und ich, mit ihrer Zweitkamera und einem Unterwassergehäuse ausgerüstet, mit Zuversicht aber ohne jegliche Erfahrung ins kalte Wasser eines Outdoor Pools. Danke an das Mercure Hotel in Aachen! 


Dort erwartet uns zunächst eine trübe Sicht; man erkennt Umrisse und Farben, sieht einander aber sehr verschwommen und undeutlich, was die Fotografierende natürlich enorm fordert. Außerdem müssen wir uns bewegen, um unter Wasser zu bleiben und nicht an die Oberfläche gezogen zu werden.

 

Bei diesem ersten Shooting versuche ich mit aller Kraft meinen Körper gegen den natürlich Sog des Wassers, der mich nach oben ziehen will, zu stemmen. Ich schwimme, zappele vor mich hin, und mache es damit meiner Fotografin schwer, eine Pose einzufangen, da ich ständig in Bewegung bin.

Abtauchen, schwimmen, posen, auftauchen. Puh!

 

An diesem Sommertag im Pool eines Hotel, von anderen Gästen als Attraktion bestaunt, bringen wir trotzdem einige wirklich spannende Bilder zu Stande! Hier ist eines davon:

Model:Dia Dence Fotografie: www.anna-wawra.de Aachen, Germany
Model:Dia Dence Fotografie: www.anna-wawra.de Aachen, Germany

Beim zweiten Shooting dieser Art mit dem Unterwasserfotografen Udo Strickrodt komme ich dem Element Wasser fotografisch dann noch näher.

Ich lerne zum Beispiel unter Wasser auszuatmen, damit die Lungenluft den Körper nicht nach oben ziehen kann. Und ich versuche mir den Sauerstoff, der für ca. 30 sec reicht, einzuteilen. Es bleiben also nur nur wenige Sekunden zum eigentlichen Shooten unter Wasser. Kein Problem stellt dagegen das Atmen für den Fotograf unter Wasser dar, da ihn Taucherausrüstung und Gasflasche versorgen.

Zudem löst eine Art Leiste an der Kamera mit zwei Strahlern rechts und links das Problem, dass er mich sonst unter Wasser nur trüb und umrisshaft erkennen würde.

Natürlich muss auch er sich bewegen um an einer bestimmten Stelle im Wasser zu bleiben, auch das ist sicher nicht ohne Kraftaufwand und Konzentration möglich.

 

Eine der Schwierigkeiten besteht bei diesen Aufnahmen auch darin, dass der Körper im Wasser schnell auskühlt. Und also empfehle ich es anderen Models möglichst zu vermeiden, zu früh ins Wasser zu springen und sich darin aufzuhalten, während der Fotograf sein Equipment vorbereitet, nachjustiert oder die Fotos checkt. 

 

Was meine Kleiderwahl anbetrifft, lasse ich meiner Kreativität freien Lauf und es entsteht in meinem Kopf das Bild einer 'Ozeana'. Diese Figur soll ein Headdress tragen. Und so lasse ich mir von einer talentierten Freundin ein großes Schmuckstück für den Kopf erbauen.

Natürlich ist mir klar, das der Druck des Wassers das Gebilde beeinträchtigen wird, aber das das heißkleberfeste Gerüst auseinanderbricht und trotz der doppelten Befestigung auch am Kopf nicht hält, finde ich erst im Wasser heraus.

Dagegen überrascht mich der Kopfkranz aus Algenähnlichen (Plastik-)Zutaten - sehr gut!

 

Mein persönliches Highlight bei diesem Unterwassererlebnis ist es, herauszufinden, dass es extremes Vergnügen bereitet, im Wasser zu tanzen. Der Körper fühlt sich beinah schwerelos an, und so lässt er sich sehr leicht und schön im Wasser drehen, strecken und bewegen.

Und in den wenigen Momenten, in denen ich nicht das dringende Bedürfnis verspüre aufzutauchen, empfinde ich tatsächlich eine innere Ruhe in den leichten und fließenden Bewegung unter Wasser.

 

Hier sind einige der Bilder, die bei dem Shooting mit Udo Strickrodt entstanden sind.

Model: Dia Dence, Fotografie: Udo Strickrodt, www.kunstunterwasser.de

 

Nun kommen wir zu einigen Schattenseiten der Wasser-Geschichte.

 

Nach 1,5 Std. Shooting ist mein sonst gut trainierter Körper vollkommen entkräftet. Meine Augen kann ich zum Schluss des Shootings nur noch mit Mühe offen halten, da das Chlor ein furchtbares Brennen verursacht.

Natürlich schlucke ich an diesem Tag auch viel Wasser, ich friere und meine Zähne klappern, obwohl die Wassertemperatur bei angenehmen 26 Grad liegt. Zudem läuft meine Nase auch Stunden nach dem Shooting noch. Entschuldigt bitte diese Offenheit, aber die Unterwassershootings sind eben die anstrengendsten Fotoprojekte, die ich je erlebt habe. :-)

 

Rein ästhetisch betrachtet, aber wunderschön!

 

Vielen Dank an 

www.anna-wawra.de

www.kunstunterwasser.de

Mercure Hotel Aachen

Aquana 

für das fotografische Abtauchen!

 

Dia Dence - Burlesquekünstlerin

www.BurlesqueDellArte.de